Landesarbeitsgemeinschaft der Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen Baden-Württemberg  
 

Neutralität und Unabhängigkeit der Selbsthilfe wahren

Stuttgarter Tagung setzt die Diskussion über wirtschaftliche Kooperationen der organisierten Selbsthilfe fort

Stuttgart 12.07.2007- Mehr als 90 Vertreter von Selbsthilfegruppen und -organisationen aus Baden-Württemberg haben sich Anfang Juli zu einem Fachtag "Unabhängige Selbsthilfe trotz Kooperation mit Pharmafirmen und anderen Wirtschaftsunternehmen" in Stuttgart getroffen um sich über die Chancen und die Risiken zu informieren und auszutauschen, die Kooperationen von Selbsthilfegruppen und -verbänden mit Wirtschaftsunternehmen mit sich bringen können.
Ziel des Fachtags der Spitzenorganisationen der Selbsthilfe in Baden-Württemberg (Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen Baden-Württemberg e. V., der Paritätische Wohlfahrtsverband, Landesverband Baden-Württemberg e. V. und die Landesarbeitsgemeinschaft der Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen LAG KISS Baden-Württemberg) war es, die Vertreterinnen und Vertreter der Selbsthilfe auf Landesebene und Ortsebene für das Thema zu sensibilisieren und ihnen das nötige Knowhow für Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen zu vermitteln.
Dr. Martin Danner von der BAG Selbsthilfe behinderter Menschen stellte die gemeinsamen Leitsätze der Selbsthilfe für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft vor. Er berichtete über die Monitoringgruppe, die von den Spitzenorganisationen der Selbsthilfe auf Bundesebene eingerichtet wurde, um diese Leitsätze in allen Bundesländern vorzustellen und deren Umsetzung zu begleiten.
Die gesellschaftliche Anerkennung der Selbsthilfearbeit ist in den letzten Jahren stetig gestiegen und damit auch das Spektrum ihrer Aufgaben und ihr Finanzierungsbedarf. Gestiegen ist dadurch aber auch das Interesse von Wirtschaftsunternehmen - vor allem der Pharmaindustrie - mit Selbsthilfeorganisationen zu kooperieren. Transparency International Deutschland deckte in einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne gegen "Tranzsparenzmängel, Korruption und Betrug im deutschen Gesundheitswesen" Verflechtungen zwischen Industrie, Verbänden und Patientenorganisationen auf. Das folgende Medienecho habe dem Ruf der Selbsthilfeorganisationen sehr geschadet, so Burkhard Stork, Geschäftsstellenleiter der Deutschen Morbus Crohn / Colitis Ulcerosa Vereinigung DCCV e.V. beim Fachtag. So sehr er begrüßte, dass die Verflechtungen einiger schwarzer Schafe aufgedeckt wurden, so sehr bedauerte er, dass in der Berichterstattung nicht unterschieden wurde zwischen echter Selbsthilfe, die aus dem Engagement der Betroffenen entsteht, und der Pseudo-Selbsthilfe, die von Anbietern aus wirtschaftlichen Interessen initiiert wird, z. B. um ein Medikament in den Markt zu drücken. Es müsse ein dringendes Anliegen der Selbsthilfeorganisationen sein, dass da, wo "Selbsthilfe" drauf steht, auch "Selbsthilfe" drin ist. Es gehe nicht an, dass etwa die Internetseiten www.selbsthilfe.de und www.selbsthilfe.com der Pharmaindustrie gehören und damit Interessierte irregeführt werden.
Die anwesenden VertreterInnen der Selbsthilfe aus Baden Württemberg waren sich einig, dass eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit der Selbsthilfe ist, die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen transparent und mit klaren Vertragsbedingungen zu gestalten. Auf diesem Wege kann die Neutralität und Unabhängigkeit der Selbsthilfe bewahrt bleiben.
PDF Die Dokumentation als PDF-Datei (1,4 MB) können Sie hier einsehen

 

Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement in Baden-Württemberg